Was kann William, was Emma nicht kann?

Worüber definieren Sie sich? Verkaufen Sie sich unter Wert?

Stellt man einem Mann die Frage „Wer sind Sie?“ wird er meist mit seinem Titel oder seiner Funktionsbezeichnung antworten: Ich bin Verkaufsleiter bei Firma XY, Elektrofachmann, Geschäftsinhaber, etc. Männer definieren sich gerne über ihren Beruf. Die Antwort von Frauen ist differenzierter, abhängig davon, ob sie berufstätig sind, zu wieviel Prozent und in welcher Funktion sie arbeiten, ob sie verheiratet sind, Kinder, Familie haben, etc. Und dann fallen die Antworten von Frauen oft mit einer noblen Zurückhaltung und Bescheidenheit aus. Understatement nennt man das auch. Häufig fehl am Platz, oder noch schlimmer, nämlich kontraproduktiv.

Frauen brauchen 80% mehr Worte als Männer – und kommen trotzdem schlechter weg

Nehmen wir beispielsweise die Frage „Was können Sie?“ – im Berufsleben gemeinhin unter dem Kürzel CV (Lebenslauf – Curriculum Vitae) abgehandelt. Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem die Frage wie sich Resümees von Männern und Frauen unterscheiden. Im Jahr 2015 wurde dazu im Fortune-Magazin eine interessante Studie veröffentlicht (Kieran Snyder – «The resume gap ): Kieran Snyder untersuchte 1´100 CVs, davon 512 von Männern und 588 von Frauen, quer durch alle Funktionen im technologischen Bereich. Die Studie stellt fest: Frauen brauchen durchschnittlich 80% mehr Worte als Männer. Frauen schreiben generell dramatisch längere Lebensläufe als Männer (nur 19% aller Frauen-CVs hatten auf einer Seite Platz, im Unterschied dazu 61% aller Resümées von Männern). Nichtsdestotrotz sind Frauen-CVs in Bezug auf die Beschreibung früherer Tätigkeiten weniger spezifisch und detailliert. Männer tendieren dazu, ihre bekleideten Rollen in kurzen Bullet Points genau zu beschreiben. 91% aller Männer zählen ihre konkreten beruflichen Erfolge auf, wenn diese auch noch so geringfügig sind. Nur 36% aller Frauen tun das.

Snyder geht dann dazu über, die Lebensläufe von Emma und William zu vergleichen. Emma und William sind zwar in unterschiedlichen Firmen tätig, haben aber denselben Job als Senior Software Engineer: während Emma ihre Tätigkeiten vage und in mehrheitlich passiver Form umschreibt, listet William konkret und in knackiger Form seine Arbeitsresultate auf. Vor allem vergisst er nicht seine Rolle als Senior herauszustreichen, sowie einzelne Ereignisse zu betonen, in denen er sich öffentlich positionieren konnte, und für die ganze Firma sichtbaren Mehrwert leistete.

Wie Frau U. die Stelle nicht bekam

Machen wir das Ganze doch noch ein bisschen konkreter. Stellen Sie sich das folgende Szenario vor: Manager M. plant in seiner Abteilung die Funktion des Teamleaders neu zu besetzen. Es ist mittlerweile Firmenpolitik eine ausgeschriebene Stelle bei gleicher Qualifikation an eine Frau zu vergeben. Manager M. verfügt allerdings noch über wenig Erfahrung mit weiblichen Führungskräften. Er guckt deshalb mit typischer „Männerbrille“ auf die eingereichten CVs. Aus eigener Erfahrung weiss er wie Männer ihre Lebensläufe „aufmöbeln“, gegebenenfalls Löcher stopfen und kaschieren, sowie ihre Erfolge feiern. Frau U. hat beschlossen, sich zu bewerben. In prosaischen Worten und mit grosser Genauigkeit hat sie ihren Werdegang verfasst. Zweieinhalb Seiten sind es geworden. Auch die paar Monate Babypause hat sie nicht ausgelassen. Doch anstatt aus ihrer raschen Rückkehr in den Job und die erfolgreich bewältigte Mehrbelastung eine Erfolgsstory zu machen, liest sich das Ganze eher nüchtern. Währendem Frau U. also brav Understatement betreibt, macht Manager M. – da er ihr Resümee ja durch seine eingefärbte „Männerbrille“ liest – weitere Abstriche an ihrem Resümee… Wen wundert es, dass der männliche Gegenkandidat A., aus demselben Unternehmen und mit ähnlichem Werdegang, am Ende aufgrund vermeintlich besserer Qualifikationen den Teamleader-Job erhält?

Fazit: Liebe Frauen, lernt das Selbstmarketing!

Sie wundern sich, was hinter den Kürzeln «M», «U» und «A» steht? Das überlasse ich Ihrer Entscheidung. Zur Auswahl wären da: Markus, Manager und Macho; Ursula, Understatement und Underdog; Andreas, Alternativkandidat und Aufschneider…

 

1 Kommentar

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Meike Oltmannantworten
4. Mai 2018 at 15:50

Vielleicht liegt das Manko nicht in der Schwäche der Frau, sondern in der anderen Sprache? Und wenn man das auf den Sales eines Unternehmens überträgt und das Ganze als Gewinn und nicht als Manko auffasst – Frauen sind im Vertrieb oft die besseren Verkäufer, weil sie den meist männlichen Gesprächspartnern mit ihren gendertypischen Stärken begegnen. Eine Freundin von mir, ein echter Sales Profi und bietet mit https://mentalsender.de/ ein gutes Sales Conuslting an.

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