Was Frauen von Bienen lernen können

Haben Sie schon mal einen Kollegen sagen hören: «Ich arbeite nicht gerne mit Männern zusammen. Männer sind so nüchtern, zahlengetrieben und kämpferisch. Man weiss nie was sie denken. Da sind mir Frauen lieber …»

Oder haben Sie schon mal einen Mann erlebt, der sich lauthals über seinen männlichen Chef beklagt hat, und deshalb für alle Zukunft zum Schluss kommt, nie mehr unter einem anderen Mann arbeiten zu wollen?

Ich kenne nicht viele Männer, die so reden, jedoch genug Frauen, die andere Frauen auf diese Weise sabotieren.

 

Das Geschäftsleben ist kein Bienenstock

… und trotzdem können wir von den Bienen einiges lernen. Was meine ich damit? In einem Bienenstock kann es nur eine Königin geben. Deshalb ist es für eine Königsanwärterin wichtig alle anderen Rivalinnen vor ihrem Hochzeitsflug zu töten. Damit sorgt sie dafür, dass sie selbst zur unumstrittenen Königin erkoren wird. Im Unterschied dazu gibt es in einem Unternehmen mehrere Hierarchie-Ebenen, Spezialistenfunktionen und Chefposten. Es ist also in grossen Teilen kein Gewinn- oder Nullsummenspiel wie bei den Bienen, in dem nur einer die Siegerin sein kann. Deshalb sollte es für uns Frauen eine win-win-Situation sein, wenn möglichst viele Frauen auf verantwortliche Positionen aufrücken, und so in die Lage versetzt werden, andere Frauen zu (be-) fördern und unterstützen.

Auch Frauen sind besser beraten sich zu solidarisieren, anstatt zu bekämpfen. Männer haben das schon längst begriffen. Es gibt Studien, die besagen, dass Frauen zu 80% von anderen Frauen gemobbt werden!

Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht in der Zusammenarbeit mit anderen Frauen. Ich durfte in meinem Berufsleben schon viele kompetente Frauen erleben. Ehrlich gesagt kommt es mir sogar so vor, als ob die (leider) wenigen Frauen auf Management- und Geschäftsleitungsposten, die ich bisher antraf, fast immer kompetenter waren als Männer auf vergleichbaren Funktionen. Ich habe dafür auch eine logische Herleitung: Weibliche Bewerberinnen sind immer noch höheren Qualitätsanforderungen unterworfen als Männer. Niemand kann und will es sich leisten, eine Frau auf eine Position zu setzen, wenn nicht mit grosser Sicherheit vorausgesagt werden kann, dass sie den Anforderungen gewachsen ist. Es scheint gar, als ob gerade verantwortliche Frauen dieses Risiko vermeiden wollen. Scheitert nämlich die Kandidatin, würde die/der Verantwortliche sich eine Blösse geben, und sich somit selbst schwächen. Das leistet sich nur, wer selbst schon sehr sicher im Sattel sitzt. Frauen müssen deshalb oft besser qualifiziert und noch begabter sein, bevor sie die Chance erhalten den nächsten Karriereschritt zu machen.

Natürlich ist das nicht fair. Aber anstatt darauf zu warten bis die Männer das einsehen und berichtigen, sollten wir Frauen toleranter gegenüber dem eigenen Geschlecht werden.

 

Frauen behandeln einander wie schwarze Schafe

Es gibt weitere Gründe, weshalb Frauen sich gegenseitig sabotieren und unterminieren. Zum Beispiel spielt die Tatsache, dass wir in der Geschäftswelt immer noch die Minderheit stellen eine wichtige Rolle. In einer Minderheit vergleicht man sich untereinander, was zu einem grösseren Konkurrenzdenken führt. Gleichzeitig wollen Frauen, die es geschafft haben, jeden Eindruck vermeiden, dass sie andere Frauen (gegenüber Männern) bevorzugen.

Kennen Sie den “schwarze Schaf”-Effekt? In einer Herde weisser Schafe gibt es ein einziges dunkles Schaf, das aufgrund seiner Andersartigkeit unter besonderer Beobachtung steht. Alle Schafe machen ab und zu einen Fehler, aber wenn das schwarze Schaf einen Fehltritt macht, fällt es vielmehr auf. Dann heisst es: «Wussten wir’s doch gleich, typisch schwarzes Schaf.» Ganz schnell sind wir bei der Generalisierung, und schliessen aus dem Verhalten dieses einen schwarzen Schafs auf alle schwarzen Schafe.

Den gleichen Effekt beobachten Soziologen bei Minderheiten. Wenn eine Frau einen Fehltritt macht, heisst es schnell: «Typisch Frau, sie ist den Anforderungen der Stelle nicht gewachsen.» Währenddessen die Fehltritte der vielen weissen Schafe niemandem besonders auffallen, und deshalb auch nicht kommentiert werden…

Minderheiten zu beobachten und entsprechend zu kommentieren ist ein Stück weit natürliches menschliches Verhalten. Fatal ist, dass wir Frauen uns damit einen Bärendienst erweisen.

Ähnlich verhält es sich mit dem «Stereotypen-Dilemma»: Maskuline Verhaltensweisen sind in der Geschäftswelt vielerorts die Norm. Zeigt nun eine Frau – was ja ihrem Geschlecht entspricht  – typisch «weibliche» Verhaltensweisen, gilt sie als weniger kompetent als ihre männlichen Arbeitskollegen. Adoptiert und imitiert sie aber die Verhaltensweisen der Männer, wirft man ihr schnell vor unfeminin zu sein.  Was immer sie also tut, sie kann es niemandem recht machen. Nachdem wir wissen, wie schwierig es für eine Frau sein kann sich «der Norm entsprechend» zu verhalten, sollten die Frauen die Ersten sein, die sich davor hüten solche Kommentare zu machen.

 

Maskulin, feminin – egal! Nährendes Gelée Royale sollten wir uns schenken.

Und was können wir nun von den Bienen lernen? Königinnen töten letztlich ihre Konkurrentinnen. Zuvor sind sie aber mindestens so schlau für ausreichend Nachfolgerinnen zu sorgen. Nachschaffung nennen das die Biologen, und nur so kann das Bienenvolk überleben. Die jungen Königinnen sind zunächst gewöhnliche Schwestern der Arbeitsbienen und mit diesen zu 75 % verwandt.

Im Gegensatz zu den Larven der Arbeiterinnen werden Königsanwärterinnen mit einem speziellen Futtersaft, dem sogenannten «Gelée royale» ernährt und in eigenen speziellen Weiselzellen aufgezogen. Evolutionsbiologisch wird diese Verhaltensweise so erklärt, dass die Aufzucht einer neuen Königin die einzige Möglichkeit für die unfruchtbaren Arbeiterinnen darstellt, den eigenen Genpool in die nächste Generation zu transportieren. Königinnen und Arbeiterinnen arbeiten also zusammen, und setzen alles daran für das Überleben ihres Stammes zu sorgen.

Hieran könnten wir Frauen uns ein Beispiel nehmen, und für unsere eigene ausreichende Nachschaffung sorgen! Damit die weissen Schafe nicht für alle Ewigkeit in der Mehrzahl bleiben…

 

Zum Nachlesen:

Forbes: Women leading women – supporters or saboteurs?

Catalyst: The Double-bind Dilemma for Women in Leadership: Damned if you do, doomed if you don’t. 

Huffpost – Women working with women: support and sabotage

 

(Bild: pixabay – oldiefan)

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