Stehen Sie den Männern in der Sonne

Im Geschäftsleben geht es einerseits um hervorragende Leistungen, aber gleichzeitig um Sichtbarkeit und Prestige. Meist ist es so, dass das Eine ohne das Andere nicht wirklich zum vollen Erfolg führt. «Mann» versteht dies sozusagen intuitiv von Kindsbeinen an, währenddessen «Frau» das nicht immer einsieht. Auch ich bin von tiefstem Herzen her der Meinung, dass hervorragende Leistung für sich alleine sprechen sollte. Tut es aber nicht. Das musste ich in der Vergangenheit immer wieder schmerzlich erfahren. Deshalb plädiere ich heute dafür: Stehen Sie den Männern in der Sonne!

Frauen arbeiten – Männer reden

Schon Margaret Thatcher wusste: «Wenn du willst, dass etwas erledigt wird, sag es einer Frau. Wenn du willst, dass über etwas geredet wird, sag es einem Mann.»

Schon zu Kindeszeiten haben sich diese Muster abgezeichnet: währendem ich meiner Mutter half das Geschirr aufzuräumen, blieb mein Bruder am Tisch sitzen, um mit meinem Vater über Gott und die Welt zu philosophieren. Ein Junge wird also früh in die Kunst der Argumentation und Rhetorik eingeführt, währenddessen das Mädchen das Arbeiten lernt (… und dass eine saubere Küche nur bis zur nächsten Mahlzeit sauber bleibt, mit anderen Worten: Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen, wenn wir uns selbst die Zeit nicht nehmen, werden wir nie zum Philosophieren kommen.)

Im Geschäftsleben scheint sich das fortzusetzen: Studien beweisen, dass Frauen tendenziell sehr viel bereitwilliger Aufgaben übernehmen, die viel Arbeit machen, jedoch kaum Prestige und Ansehen bringen. Ganz anders die Männer: Sie erkennen schnell Projekte, die Profilierung und Prestige bringen, und “stürzen” sich sozusagen darauf. Frauen lassen sich zu oft mit der Protokollierung von Sitzungen abspeisen. Auch in Bereichen wie Finanzwesen, Buchhaltung und im Controlling sind viele Frauen anzutreffen. Ich habe aber noch nie erlebt, dass sich eine Frau aufgrund professioneller Rechnungsführung oder sorgfältigem Protokoll hervor getan hätte. Auch ist wohl noch selten Eine deshalb dem Firmenchef in besonders guter Erinnerung geblieben.

Der wahre Projektausgang verliert sich in den Tiefen des Reportings

Auch die Beherzigung des alten Sprichworts: „Tu Gutes, und rede darüber“ hilft da wenig. Nur Wenige – und wenn, dann hauptsächlich Spezialisten und Fachpersonen – hören gespannt zu, wenn Frau über die Einführung eines neuen Kontenrahmens oder Accounting Standards spricht. Wieviel interessanter ist doch da die Erschliessung eines neuen Marktes? Der Launch einer innovativen Produktserie? Oder die erfolgreiche Akquise eines prestigeträchtigen Grosskunden? Es soll auch Unternehmen geben in denen alleine schon die gross angelegte Bekanntmachung eines solchen Ereignisses ausreicht, um „berühmt“ zu werden. Ob der neu erschlossene Markt letztlich Profite einfährt, sich das innovative Produkt bei den Kunden tatsächlich bewährt, oder der Kunde auch tatsächlich grosse Mengen bestellt, zeigt sich erst viel später. Den Meisten pressiert es dann nicht mehr so, diese ernüchternden Tatsachen bekannt zu machen. Daraus lernen wir: Der anfängliche Ruhm bleibt am Mann „kleben“, währenddessen der wahre Ausgang der Geschichte sich in den vielseitigen Reportings des Unternehmensalltags verliert. Natürlich soll das hier nicht verallgemeinert werden, aber in Grossunternehmen ein nicht ganz so unübliches Szenario.

Die Lehre daraus für uns Frauen? Einmal mehr, sich mit Mut und Selbstvertrauen ein eigenes Projekt zu suchen mit dem sich Frau profilieren kann. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Thema Innovation. Zum Beispiel die Entwicklung einer neuen App mit welcher sich Ihr Unternehmen am Markt profilieren kann? Gibt es schon? Dann gehen Sie einen Schritt weiter und beanspruchen für sich das Thema AI (Artificial Intelligence). Sie kennen sich da nicht aus? Macht nichts!

Positionieren Sie sich und sprechen Sie darüber!

Nicht Sie sind der Experte, sondern Sie figurieren als Leiterin der Arbeitsgruppe: Suchen Sie sich also ausgewiesene Spezialisten zum Thema AI, z.B. Informatiker, Datenbeauftragte, vielleicht sogar Neurologen, sowie Vertreter der Markt-, Produkt- und Strategieabteilungen. Am besten auch einen Sponsor auf Vorstandsebene, der das Ganze unterstützt. Je breiter Sie sich abstützen, desto besser. Sie wollen ja niemanden aussen vor lassen, auch niemandem etwas wegnehmen, nur sich positionieren. Inklusion nennt sich das. Ein wunderbares Instrument, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Und nun entwickeln Sie das Thema in der Arbeitsgruppe: Zapfen das Wissen all dieser Experten an, machen es sich zunutze, vergeben Arbeitsaufträge, bilden Hypothesen, die in der Arbeitsgruppe validiert werden. Lassen Sie Informationen und Ideen zum Einsatz von AI in Ihrem Unternehmen sammeln. Veranlassen Sie die Erstellung einschlägiger Studien. Vielleicht lässt sich sogar ein erster Produkt-Prototyp oder MVP (Minimum Viable Product) entwickeln? Denn so etwas lässt sich immer gut vermarkten.

Das Wichtigste aber: Sprechen Sie darüber! Präsentieren Sie Ihr Projekt wo und wann immer sich eine Gelegenheit ergibt. Publizieren Sie im Verlauf der nächsten Monate die Fortschritte Ihrer Arbeitsgruppe. Gibt es schon erste Erkenntnisse? Sprechen Sie darüber! Denn wichtig ist, dass Sie als Person sichtbar werden! Sie können noch keine brauchbaren Ergebnisse vorweisen? Sehen Sie das nicht so eng, alleine dass Sie sich mit diesem neuen innovativen Thema beschäftigen, wird Ihrem Image einen gewaltigen Boost bescheren.

Dieser Boost könnte so gewaltig sein, dass Sie schneller befördert werden, als die Arbeitsgruppe zu einem guten Ende kommt… Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Ganz im Gegenteil. Bestimmt lässt sich ein kompetenter männlicher Kollege als Ihr Nachfolger rekrutieren, der ebenfalls von diesem Image-Boost profitieren möchte. Dass das Projekt mittlerweile seinen Zenit überschritten hat, der Hype sich wieder gelegt und die ersten Arbeitsergebnisse einer Bewährungsprobe nicht standgehalten haben, brauchen Sie ja nicht vor der Projektübergabe zu thematisieren. Frei nach dem Motto „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Ach ja, und bevor ich es vergesse: „Für die Protokollierung der Arbeitssitzungen nehmen sie sich im Übrigen einen Mann. Sie haben ja mit der Vermarktung des Themas schon genug zu tun.

 

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