Lassen Sie Ihr Geld immer noch von einem Mann anlegen?

«Geben ist seliger denn nehmen! Es ist nicht alles Gold, was glänzt! Geld allein macht nicht glücklich. Es gibt Wichtigeres als Geld. Geld verdirbt den Charakter. Über Geld spricht man nicht…»

Bestimmt kennen Sie weitere negative Geld-Glaubenssätze. Positive Geld-Glaubenssätze kommen uns nicht so leicht über die Lippen. Manchmal zucken wir sogar leicht zusammen, wenn wir sie hören. Wann sagten Sie das letzte Mal: «Geld ist pure Energie! Das Geld liegt auf der Strasse, ich muss es mir nur holen. Geld macht sexy.» Geld ist besonders für Frauen häufig ein Tabu-Thema. Weshalb eigentlich? Auch Frauen brauchen schliesslich Geld zum (Über-) Leben.

Prägung durch Lebensbiografie

Unsere eigene Lebensbiografie sagt viel darüber aus, wie wir mit Geld umgehen: Vielleicht sind unsere Eltern stets davon ausgegangen, dass wir heiraten und unser Ehemann ausreichend Geld für den gemeinsamen Lebensunterhalt verdienen wird. Vielleicht hat der Vater die finanziellen Angelegenheiten der Familie ohne Mithilfe, oder sogar ohne Information und Beratschlagung mit der Mutter erledigt. Die Eltern haben mehr Wert darauf gelegt, dass der Sohn eine höhere Schule besucht als die Tochter. Was waren Ihre entscheidenden Kriterien bei der Berufswahl? Die Höhe des Einstiegslohns, oder doch eher dass der Job Spass macht? Es ist erwiesen, dass Frauen Ihren Chef weniger oft und vehement um eine Beförderung oder Lohnerhöhung bitten als Männer. Diese Liste kann ich unendlich weiterführen, zum Beispiel auch: Immer noch steckt die Frau bei der Geburt der Kinder eher zurück als der Vater. Dieser kümmert sich stattdessen um die Geldangelegenheiten der jungen Familie …

Das Problem ist nur: Jede dritte Ehe wird geschieden, und spätestens dann wird Geld zum wichtigen Thema – auch, oder vielmehr gerade für Frauen.

Die alten Ägypterinnen waren unseren Grossmüttern voraus

Interessant ist, dass Frauen in vielen alten Gesellschaften, so z.B. im alten Ägypten, Rom, Indien, oder in den alten jüdischen Gesetzen, rechtlich und bezüglich Geldsachen besser gestellt waren wie während vieler Jahrhunderte später.1) Erst um 1100 n.Chr. wurde im englischen Common Law der Ehestand definiert: Fortan sollten Mann und Frau als eine einzige wirtschaftliche Einheit betrachtet werden. Dieser Gedanke wurde über die nachfolgenden Jahrhunderte allerdings dahingehend korrumpiert, als dass die Frau zum Eigentum des Ehemannes umgedeutet wurde.

Erst im 18. und 19. Jahrhunderten erwachten in Europa und den USA erste Gegenbewegungen. Deren Ziel war es, eigenständige Rechte für Frauen wiederzuerlangen, z.B. im Bereich des Eigentums- oder Erbrechts. Es sollte aber über zweihundert Jahre dauern bis es soweit war: Frauen dürfen in Deutschland erst seit 1962 ein eigenes Bankkonto eröffnen. Die Erlaubnis eigenes Geld zu verdienen – das heisst ohne vorherige Zustimmung des Ehemanns – wurde den Frauen Mitte der 1970er Jahre mit der Reform des Ehe- und Familienrechts ermöglicht. In der Schweiz  dauerte es noch länger: Der Gleichberechtigungsartikel, welcher die Frau bezüglich Familie, Ausbildung und Arbeit gesetzlich gleich stellt, wurde erst in der Volksabstimmung von 1981 akzeptiert und 1988 umgesetzt.

Nach vielen Jahrhunderten allein-umfassender Hoheit der Männer über Arbeit und Finanzen, dürfen Frauen seit rund 40 Jahren selbstbestimmt eine Arbeit annehmen, und das verdiente Geld in Eigenregie anlegen. Anders ausgedrückt: Für unsere Grossmütter und Urgrossmütter war es das Normalste der Welt, dass ihr Ehemann das Geld der Familie verwaltete. Ob ausgesprochen, implizit gefühlt, und unabhängig davon, ob uns das passt: Überbleibsel dieses Selbstverständnisses scheinen heute noch unser Denken zu beeinflussen.

Selbstverwirklichung wichtiger als Geldverdienen

«Warum sind Frauen so naiv, wenn es ums Geld geht?», fragte 2017 ein Stern-Artikel zum Thema Einkommen und Altersvorsorge.2) Anhand eines Gesprächs mit einer Freundin zeigt die Autorin auf wie Gleichberechtigung beim Thema Geldverdienen häufig auf der Strecke bleibt. Viele Frauen begeben sich im Verlauf ihres Lebens zunehmend in eine Abwärtsspirale: Wenig eigenes Einkommen, kaum Gestaltungsraum in der Beziehung und finanzielle Abhängigkeit, schliesslich keine Altersvorsorge. Die oben geschilderte historische Entwicklung und die dadurch erfahrene Prägung unseres Denkens könnten Erklärung sein, weshalb Frauen dem Geld im allgemeinen, und dem Geldverdienen im spezifischen zu wenig Bedeutung schenken. Es erklärt auch, weshalb Frauen das Thema «Selbstverwirklichung» und «Spass haben» bei der Berufswahl oft höher priorisieren als die Sicherung eines ausreichenden Lebenseinkommens.

Das Ergebnis: Die Armutsquote von Frauen in der Schweiz liegt mit 8,1 Prozent mehr als zwei Punkte über derjenigen von Männern. Frauen sind mit 15,5 Prozent häufiger als Männer armutsgefährdet.3) Gleiches gilt für Deutschland.4) Auch ist längst untersucht und bewiesen, dass Frauen nur halb so viel Rente erhalten wie Männer.5)

Im Jahr 2014 befragte das Magazin Forbes 1407 amerikanische Frauen im Alter zwischen 25 und 68 Jahren zu ihrer Einstellung zum Geld: 75% der befragten Frauen gaben an, dass es für sie sehr wichtig sei über ausreichend Geld im Alter zu verfügen. Doch nur etwas mehr als jede 7. Frau (14% der Befragten) hat Zuversicht dieses Ziel zu erreichen. Anders ausgedrückt: 6 von 7 Frauen rechnen damit im Alter zu verarmen! «Armut ist weiblich» ist deshalb mehr als nur eine Schlagzeile. Es erstaunt nicht weiter, dass lediglich 20% der Befragten sich gut vorbereitet und informiert fühlten in Sachen Geldanlage. Trotzdem ändert sich das Verhalten der Frauen nur schleppend.6)

Frauen outperformen Männer

Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Schliesslich gibt es heute viele Frauen mit gutem Einkommen. Wie legen diese Frauen ihr Geld an, und wie schneiden sie darin im Vergleich zu Männern ab? Wie in allen Dingen sind auch für eine erfolgreiche Geldanlage zunächst ausreichende finanzielle Kenntnisse erforderlich. Schon daran hapert es oft: Ein Vergleich des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass Männer in 135 von 144 untersuchten Ländern über eine bessere finanzielle Bildung verfügen als Frauen.7)

Länderspezifische Charakteristika und die Kultur eines Landes spielen eine grosse Rolle, wenn es um die Qualität der finanziellen Bildung geht. Wobei das wichtigste Kriterium die Eingebundenheit der Frauen in den jeweiligen Arbeitsmarkt ist. Kurz zusammengefasst heisst das: Wenn eine Frauen über ein eigenes Einkommen verfügt, ist ihre Bildung in Sachen Finanzen meist besser.

Eine gute Finanzbildung ist zwar Voraussetzung, bedeutet aber nicht, dass der-/diejenige auch erfolgreicher in der Geldanlage ist. Doch man höre und staune: Auf Basis statistischer Daten über die letzten 10 Jahre kann bewiesen werden, dass von Frauen gemanagte Anlagefonds deutlich bessere Resultate erzielten als der Marktdurchschnitt (59.43% versus 36.69% von 2007-2016 8))!

Das sind grossartige Neuigkeiten für uns Frauen! Was aber sind die Gründe für unsere bessere Performance? Drei Verhaltensmerkmale erklären den Unterschied: Erstens, im Vergleich zu männlichen Investoren zeigen Frauen mehr Disziplin in ihren Anlageentscheidungen. Zweitens, Frauen erleiden weniger Verluste infolge Spekulation und übermässigem Selbstvertrauen/Selbstüberschätzung. Drittens, Frauen konzentrieren sich stärker auf die Begrenzung des Downside Risks, also den Schutz vor einem Kurseinbruch. Schade nur, dass wir in der Finanzbranche immer noch in der Minderzahl sind. Im Jahre 2015 wurden weniger als 2% aller Hedge Funds von einer Frau geleitet. Weniger als ein Drittel aller amerikanischen Venture Capital Firmen beschäftigen eine Frau, die bei Anlageentscheidungen massgeblich mitbestimmt. Und nur 9 Prozent aller Investmentfond-Manager sind weiblich.

 

Wie viel Taschengeld geben Sie Ihrem Mann?

Dass es auch anders geht zeigt das Beispiel Japan. Die Familienfinanzen werden dort traditionell von der Frau kontrolliert. Der Ehemann erhält «okozukai», eine Art monatliches «Taschengeld» von seiner Frau. Das Bankkonto lautet auf den Namen der Frau. Sie kassiert den Lohn, investiert und managt das Vermögen der Familie. Sie schliesst Lebensversicherungen ab, weshalb die Mehrzahl der japanischen Lebens-Versicherungsvertreter weiblichen Geschlechts sind. Die japanische Ehefrau führt beim Haus- und Autokauf das entscheidende Wort. Schliesslich kann es sogar vorkommen, dass die japanische Frau persönlich beim Arbeitgeber ihres Liebsten vorspricht, um sicherzustellen, dass es mit seinem Gehalt und seiner Karriere wie gewünscht vorwärts geht. 9)

Ich gehe nicht so weit mir japanische Zustände herbei zu wünschen. Auch dort scheint mir die Balance zwischen den Ehepartnern nicht wirklich gegeben. Nichtsdestotrotz, ein bisschen was könnten wir uns davon abgucken.

Um alsbald voller Stolz zu sagen:

«Geld gibt mir viele Möglichkeiten» oder..

«Ich geniesse es, Geld zu verdienen» und vielleicht sogar…

«Ich bin gut darin mein eigenes Geld zu managen. Eine Investmentbankerin hilft mir dabei.»

 

 

Quellen:

1) The he Guardian: Women’s rights and their money: a timeline from Cleopatra to Lilly Ledbetter

2) Stern: Warum sind Frauen so naiv, wenn es ums Geld geht?

3) Caritas Schweiz: Armut ist weiblich

4) nak Nationale Armutskonferenz: Armutsrisiko Geschlecht Armutslagen von Frauen in Deutschland

5) Stern: Frauen bekommen nur halb so viel Rente wie Männer

6) Forbes: Women and Money Management – a sad story

7) DIW Wochenbericht: Gender Gap in der Finanziellen Bildung

8) Newsweek: If women are so good at managing money, why are so few of them doing it?

9) „Kotaku“: The world of Japanese Husband Salaries

 

(Bild: alexas_fotos – pixabay)

 

 

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