Die Insignien der Macht: Setzen auch Sie sich die Krone auf.

Ich bin gross gewachsen und blond. Ich mag hohe Schuhe und Fashion. Als ich 2006 von meinem Arbeitgeber gefragt wurde, ob ich die Niederlassungsleitung Tokyo übernehmen wolle, musste ich bei der gesamten Geschäftsleitung persönlich vorsprechen. Ein Gespräch bleibt mir in besonders guter Erinnerung. Dieser Vorstand pflegte ein traditionelles Frauenbild. Unser angenehmes Gespräch beendete er mit folgendem Satz: «Schon vor Jahren versprach ich meinen Kollegen, dass der Zeitpunkt für meinen Ruhestand dann gekommen ist, wenn die Firma beschliesst eine blonde Frau nach Japan zu schicken.» Die Geschäftsleitung entschied sich für mich – und er ging tatsächlich in Pension…

 

Mode und mehr für die Businessfrau von heute

Nun bin ich nicht so vermessen zu glauben, dass das tatsächlich etwas mit mir zu tun hatte. Doch ein paar Wochen später nahm ich an einer Management-Weiterbildung teil. Ich erzählte dem Trainer von meiner Beförderung. Er musterte mich von oben bis unten. Schliesslich blieb sein Blick auf meinem billigen Kugelschreiber und schlichten Notizblock hängen, er mahnte: «Dann kaufen Sie sich jetzt schleunigst einen teuren Füllfederhalter und eine edle Ledermappe.» Erst sehr viel später begriff ich die Bedeutsamkeit seines Ratschlags.

Meine Eltern arbeiteten in der Bekleidungsindustrie, deshalb war das Thema Mode bei uns Gegenstand jeden Mittagstischs. Ich sog es quasi mit der Muttermilch in mir auf. Ich bin heute noch Fashionista, und „sammle Kleider“. Mein Mann kann ein Lied davon singen … Umso bedauerlicher, dass ich mit meiner Berufswahl in einer Branche gelandet war, in welcher sich Mode in dunklen Anzügen und weissen Hemden erschöpfte. Zumindest, was die Herren angeht. Frauen geniessen ein wenig mehr Freiheiten, was das Thema für uns jedoch nicht simpler macht.

Wie zieht sich Frau modisch an, so dass sie einerseits weiblich wirkt, andererseits Kompetenz ausstrahlt? Das war eine meiner Fragen an einen weiblichen Coach, der unsere Firma in Sachen Medienauftritt beriet. Hat sie mein Anliegen verstanden? Schon, aber sie tat sich schwer mit einer Antwort. Hätte ich das auch einen männlichen Coach gefragt? Vielleicht, und wundere mich heute noch was er mir geraten hätte.

 

Wer die Reichskrone besass, durfte herrschen

Bei der Kleiderwahl gilt es für beide Geschlechter nicht nur Branchen-, sondern auch kulturelle Unterschiede zu beachten: Wussten Sie zum Beispiel, dass für den konservativen US-Businessman nur ein blütenweisses Hemd dem Anspruch der «Formalität» gerecht wird? Sich Deutsche im Finanzbereich viel förmlicher kleiden als ihre schweizerischen Landsmänner und -frauen? Es okay ist im Sommer in London ohne Strümpfe zur Arbeit zu gehen, jedoch nie in New York?

Am Wichtigsten ist, dass wir uns überhaupt der Wirkung unserer Erscheinung bewusst sind. Schon Gottfried Keller wusste: «Kleider machen Leute». Wobei es nicht nur um Kleider, sondern letztlich um die Insignien der Macht geht: «Wer die Reichskrone besass, durfte über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation herrschen.» Genau so wie im Mittelalter Könige und Kaiser sich dieser Herrschaftszeichen bedienten, schmücken sich heutzutage wichtige Manager mit Allerlei. Man(n) spricht nicht darüber, doch jeder weiss Bescheid – gleich einer Geheimsprache. Zum Beispiel die Lage und Grösse des Parkplatzes in der Tiefgarage, der Besitz eines Firmenwagens überhaupt, die Anzahl der Fenster, die Grösse des Schreibtischs und manchmal sogar die Beschaffenheit des Papierkorbs im Büro.

 

Sparsame Managerinnen tun sich selbst keinen Gefallen

Auch nicht zu vernachlässigen: Wieviel Raum Sie am Sitzungstisch einnehmen. Ich gewöhnte es mir irgendwann an meinen Platz mit einer weiträumigen „Auslegeordnung aus Ledermappe, Handy, Visitenkartenetui und Schreibzeug“ abzugrenzen. Die Markierung des eigenen Territoriums, nennt das Peter Modler¹). Männer beherrschen das intuitiv. Auch selten diskutiert, aber immer registriert: Wo Frau mit ihrem „Wertesten“ auf dem Stuhl sitzt. Viele Frauen platzieren sich vorne an der Stuhlkante, besonders dann, wenn sie nervös sind. Das hinterlässt nicht gerade den Eindruck von Bedeutsamkeit. Eher könnte man meinen, sie wären auf der Flucht.

Auch die Grösse Ihres Hotelzimmers wird von Kollegen registriert. Sparsame Managerinnen sind aus Firmensicht etwas Wunderbares. Nur tun sie sich leider selbst keinen Gefallen. Deshalb, wenn es Ihnen gemäss Firmenreglement zusteht: Lassen Sie sich auch dann in eine Suite auf der Executive Etage buchen, wenn Sie von vorne herein wissen, dass Sie nur knappe sechs Stunden im Zimmer verbringen werden. Ich habe oft darauf verzichtet, und es immer bereut, denn Ihre Umgebung interpretiert es als «Licht unter den Scheffel stellen». Und seien Sie versichert: Ich habe ganz bewusst „buchen lassen“ geschrieben, denn auch eine persönliche Assistentin zu haben, gilt als Statussymbol. Erfahrungsgemäss sind Frauen bescheidener und stellen – an sich lobenswerte – ökonomische Überlegungen in den Vordergrund. Aber Bescheidenheit ist ein Bumerang, der uns auf seinem Rückweg umhaut.

 

Der Grossteil unserer Kommunikation läuft non-verbal ab

Wussten Sie, dass es in der Kommunikation zwischen Menschen nur zu 7% auf den Inhalt ankommt, die restlichen 93% unserer Kommunikation laufen über Körpersprache, Diktion, und das Non-Verbale – wozu in der Geschäftswelt eben auch die „33 Statussymbole für den Manager von Welt„²) gehören.

Natürlich können Sie ganz konsequent Kontrapunkte setzen. So wie sich in der Modewelt viele Designer ausschliesslich schwarz kleiden. Ebenso: ein Vorstandsvorsitzender eines grossen DAX-Konzerns, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fuhr – begleitet von seinen Bodyguards, erzwungenermassen ebenfalls auf Rädern. Sprach man ihn darauf an, gab er an, sich sportlich betätigen zu wollen. Schöner Nebeneffekt: Die Themen Sparsamkeit und Nachhaltigkeit nahm ihm jeder ab – bewusst gespielt, bewusste Wirkung.

Oder aber die ganz andere Statusbekundung jenes Kollegen, der seinen grasgrünen und verbeulten Fiat Punto dann noch zwischen die teuren Mercedes und BMW seiner Vorstandskollegen parkte, als er längst auf oberster Führungsetage angelangt war. Ein Schandfleck in der Garage und bewusstes Understatement. Aber das muss sich Frau erst leisten können!

 

Auch Lesenswert:

¹) Buch von Peter Modler – Das Arroganz-Prinzip: So haben Frauen mehr Erfolg im Beruf

²) Die Presse: 33 Statussymbole für den Manager von Welt: Insignien der Macht: https://diepresse.com/home/karriere/karrierenews/3827757/33-Statussymbole-fuer-den-Manager-von-Welt_Insignien-der-Macht#slide-3827757-2 

manager Magazin – Zeichen der Macht: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/a-467188.html

 

 

(Bild: Photo von jbundgaa auf pixabay)

 

 

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