„Da sein“ reicht nicht – Quality Time dank Outsourcing

Es gibt nur zwei Dinge, die wir als Mütter nicht outsourcen können: Quality Time und die Erziehung unserer Kinder.

Bestimmt kennen Sie diesen in Form einer Frage verkappten Vorwurf: Weshalb kriegt eine Mutter Kinder, wenn sie später wieder arbeitet und keine Zeit für die Erziehung hat? Abgesehen davon, dass diese Frage höchst selten einem Vater gestellt wird, könnte man genauso gut fragen: Was hat ein Kind davon, wenn die Mutter den ganzen Tag putzt, wäscht, bügelt, einkauft und kocht, danach sich mit Freundinnen zum Kaffee trinken trifft, das Fitnessstudio besucht oder Golf spielt, und die Abende im Kirchenchor oder bei einem Kurs über «Veganes Kochen» verbringt?

 

Wer macht schon alles richtig?

Wahr ist auch: Haben Sie schon mal einen Erwachsenen angetroffen, der der Meinung war, dass seine Eltern alles richtig gemacht hatten? Es liegt in der Natur von uns Menschen Fehler zu machen, das gilt genauso für die Kindererziehung. Ein Mensch geht in seinem Leben durch viele Prüfungen: In der Schule, dann zur Lehrabschlussprüfung oder Matura, um in eine höhere Schule übertreten zu können. Fürs Autofahren, das Segelschiff und sogar für die Erziehung unseres Hundes besitzen wir Diplome. Nur für die Kindererziehung nicht. Das ist bemerkenswert, insbesondere, da wir trotz allem feststellen können, dass in den meisten Fällen die Kinder „gut herauskommen“. Das gilt nicht nur hierzulande, sondern weltweit, obwohl die Art und Weise wie Menschen ihre Kinder erziehen von Land zu Land, und Familie zu Familie, sehr unterschiedlich ist. Also dürfen wir uns selbst erlauben bei der Kindererziehung ab und zu Fehler zu machen, es macht uns sozusagen menschlich.

Eines gilt jedoch überall: Dort, wo Eltern mit ganzem Herzen und Überzeugung bei der Sache sind, gelingt Kindererziehung besonders gut. Wobei nicht die Zeit ausschlaggebend ist, sondern die Qualität und die Feinfühligkeit der Eltern im Umgang mit dem Kind.¹)

 

Was ist Quality Time?

Zurück zum Outsourcing: Wenn also nicht der Zeitaufwand, sondern die Qualität im Umgang mit dem Kind massgebend ist, bedeutet das auch, dass wir Mütter kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn wir auswärts arbeiten. Natürlich freut sich das Kind, wenn es von der Mutter vom Kindergarten abgeholt wird, oder die Mutter da ist, wenn es nach Hause kommt. Schaut man genauer hin, zeigt sich allerdings häufig folgendes Szenario: Die Mutter holt das Kind zwar von der Schule ab, schleppt es aber erst ins geschäftige Einkaufszentrum, weil dieses für die Mutter praktisch auf dem Weg liegt. Zuhause verstaut die Mutter erst die Einkäufe und fängt danach zu kochen an. Das nenne ich nicht Quality Time. Ich wage sogar zu behaupten, das Kind hätte mehr davon gehabt mit seinen Freunden zu spielen oder von der Schule alleine nach Hause zu laufen.

 

Eltern sind nicht immer nur toll 

Werden die Kinder älter, stellt sich die Sache nochmals anders dar: Zumindest meine beiden Teenager wollen erstmal eine „Auszeit“, wenn sie von der Schule nach Hause kommen. Demonstrativer Rückzug in ihr Zimmer ist dann angesagt, „chillen“ und sich von den Strapazen des Schulalltags erholen. Für meine Existenz zeigen sie in diesen Momenten meist wenig Verständnis. Schon gar nicht sind sie auskunftsfreudig oder wollen unterhalten werden. Ich kann also genauso gut arbeiten. Erst später kommen sie wie „hungrige Mäuse aus ihren Löchern“  hervor. Dann nehme ich mir Zeit für ihre Anliegen. Wir haben gemeinsames Abendessen und verbringen einen lustigen und angenehmen Abend miteinander. Und manchmal gibt es eine Auseinandersetzung, in welcher mein „Erziehungstalent“ auf die Probe gestellt wird. Auch das ist wichtig.

Eltern müssen also nicht Dauerpräsenz markieren, jedoch ein gutes Gespür dafür entwickeln, wann ihre Anwesenheit gefragt ist, und sich diese Zeit bewusst nehmen. Denke ich an meine eigene Kindheit, kann ich mich gut erinnern, dass ich es manchmal regelrecht grossartig fand, wenn meine Eltern ausser Haus waren. Aus Sicht der Kinder sind Eltern schliesslich nicht immer nur toll, sondern können anstrengend sein. Umso schöner, wenn es Verschnaufpausen und Freiräume gibt. Auf eine gesunde Balance zwischen „Freiraum geben“ und „Sich Kümmern“ kommt es meines Erachtens an.

 

Quality Time dank Outsourcing

Wenn nun beide Elternteile einer geregelten Arbeit nachgehen, ist es unerlässlich, dass abends und am Wochenende ausreichend Zeit und Energie für die Kinder übrig bleibt. Heisst im Umkehrschluss, dass so viele Arbeiten wie möglich zu delegieren sind: Das Putzen und Aufräumen, Waschen und Bügeln, Einkaufen und Kochen, ja selbst die Hausaufgabenkontrolle und Abhol- und Fahrdienste für die Kinder bieten sich für ein Outsourcing an.

Manchmal werde ich gefragt: Wie hast Du das geschafft, wie Deine Karriere und zwei Kinder unter einen Hut gebracht? Genauso, und nur so: Indem ich alle Hausarbeiten nach aussen vergab. Ich hatte eine Putzfrau, die gleichzeitig die Wäsche zusammenlegte und bügelte. Ich leistete mir ein Au Pair und später eine Haushälterin, welche unter der Woche einkaufte, die Kinder abholte und die Wohnung aufräumte. Zeitweise hatte ich sogar eine Vereinbarung mit einem Taxifahrer meines Vertrauens, für Dienstfahrten aller Arten.

Wenn ich also nach der Arbeit oder am Wochenende zuhause war, dann war ich wirklich präsent und konnte mich voll und ganz auf die Kinder konzentrieren. Das machte mir Spass, die Kinder haben davon enorm profitiert, und nicht zuletzt war das auch für mein „Gewissen“ gut.

 

Eine Investition zugunsten langfristiger Berufschancen

Ich höre Sie schon seufzen: «So ein Outsourcing muss man sich erst leisten können.» Dem möchte ich zwei Dinge entgegenhalten.

  1. Es lohnt sich – und zwar nicht nur aus Sicht der Kinder, sondern aus purem Eigeninteresse. Unser Energie- und Kräftepotential ist nicht unermesslich, deshalb gilt es ressourcenschonend und mit langfristigem Blick vorzugehen. Niemand kann dauerhaft einen 12+-Stundentag leisten (8 Stunden Arbeit plus >4 Stunden Hausarbeit und Kindererziehung).
  2. Langfristigkeit gilt es auch im Karrieredenken anzuwenden: Mag sein, dass ein Grossteil des verdienten Lohns vom Outsourcing im obigen Sinne verschlungen wird. Gleichzeitig investieren wir aber damit in unsere eigene Zukunft. Denn die Kinder werden älter, brauchen die Eltern immer weniger, delegierte Arbeiten können wieder selbst verrichtet werden (falls wir dann noch mögen ?). Wichtig ist: Wer weiter arbeitet, wenn er Kinder hat (und das gilt für Mann wie Frau), hält sich langfristige Berufsopportunitäten offen. Deshalb rufe ich dazu auf: Betrachten Sie das Ganze als Investitionsrechnung! Die höheren Ausgaben in den jungen Kinderjahren rechtfertigen sich durchaus, wenn man das Ganze langfristig betrachtet. Denn 10 bis 15 Jahre später können die Früchte in Form eines höheren Lohns und besseren Karrierechancen geerntet werden.

 

Last, but not least und ebenfalls nicht zu unterschlagen: Managementerfahrung sammeln Sie automatisch nebenher. Denn wer zuhause so viele Aufgaben und Angestellte gekonnt zu jonglieren weiss, darf das auch stolz in seinem Lebenslauf und Job Interview erwähnen. Damit müssten Sie auf alle Fälle die Nase vorn haben – zumindest im Vergleich zu den meisten Männern. So gesagt, und so getan – als Referenz können Sie gerne auf die hier schreibende Bloggerin verweisen.

 

 

 

¹Zum Vertiefen:

 

 

 

(Bild:  RyanMcGuire – pixabay)

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